
Mäßigkeit
Geht es auch ohne Medikamente? Sprechen Sie mit Ihrem Arzt!
Dr. med. Karl-Heinz Müller
Facharzt für Innere Medizin: Geriatrie
Facharzt für Physikalische Medizin und
Rehabilitation: Chirotherapie,
Naturheilverfahren
Es ist schon eine Weile her, aber ich kann mich noch sehr gut daran erinnern. Während eines Praktikums (Famulatur) als Medizinstudent bei einem Landarzt fiel mir auf, dass alle Patienten ein Medikament rezeptiert haben wollten – selbst wenn es sich um eine banale Erkältung handelte.
Wenn man gesundheitliche Beschwerden
hat, geht man zum Arzt,
denn eine Krankmeldung gibt es nun
mal nur dort. Als ich damals den
Landarzt auf die Problematik der Medikamentenverschreibung
ansprach,
sagte er mir: «Herr Müller, es ist tatsächlich
nur bei Schwangeren möglich
– allerdings auch dort nur mit
Müh und Not –, dass diese ohne ein
Rezept wieder nach Hause gehen.»
«Warum wenden die Patienten denn
keine einfachen Heilmittel an wie
zum Beispiel Wickel, Inhalation
von ätherischen Ölen, bestimmte
Wasseranwendungen oder einfache
Kräuteranwendungen?», fragte
ich erstaunt nach. «Das ist den Menschen
viel zu umständlich, es ist doch viel einfacher, eine Tablette zu
schlucken», erwiderte der Landarzt
mit einem Seufzen.
Zahlreiche verschiedene Medikamente
Als Geriater (Spezialist für alte Menschen)
begegne ich immer wieder
dem Problem der Polypharmazie
(Einnahme von mehr als 6 verschiedenen
Medikamenten gleichzeitig).
Patienten mit mehreren Krankheiten
nehmen viele Medikamente, weil die
Leitlinien für die einzelnen Krankheiten
jeweils verschiedene Medikamente
empfehlen. Es kann schon
sein, dass in einem solchen Fall auch
mal 15 verschiedene Medikamente
zusammenkommen (inklusive Vitaminpräparate).
Besonders auffällig
ist diese Tatsache bei Pflegeheimbewohnern.
50 Prozent von ihnen
nehmen mehr als 5 Medikamente,
24 Prozent mehr als 10 Medikamente
ein. Davon 42 Prozent Abführmittel,
41 Prozent Säureblocker (Magen),
36 Prozent Benzodiazepine (vor allem
bei Schlafstörungen), 35 Prozent
Antidepressiva, 26 Prozent Neuroleptika,
35 Prozent Entwässerungsmittel,
34 Prozent Schmerzmittel,
23 Prozent ACE-Hemmer (Blutdruck)
und 22 Prozent Beta-Blocker (Probanden:
4.023 Onder et al. J Gerontol
A Biol Sci Med 2012).
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